Erhebungsinstrumente zur Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung

Welche Verfahren eignen sich – und welches passt zu Ihrem Unternehmen?

Unternehmen sind gemäß § 5 Arbeitsschutzgesetz verpflichtet, psychische Belastungen systematisch zu ermitteln und zu beurteilen. Organisationen wie BGW, DGUV, BG ETEM und die Deutsche Rentenversicherung empfehlen dafür ausdrücklich strukturierte Verfahren wie Beschäftigtenbefragungen, Workshops oder Beobachtungsmethoden. 

Doch viele Organisationen stehen vor denselben Fragen:

  • Welches Instrument ist für unsere Größe geeignet?
  • Wie hoch ist der Aufwand?
  • Wie tief müssen wir analysieren?
  • Und welche Ergebnisse sind wirklich handlungsrelevant?

Diese Seite bietet eine strukturierte Übersicht über sechs etablierte Verfahren und zeigt, warum sich viele Unternehmen für einen kompakten digitalen Ansatz wie das belastungsradar entscheiden.

Junger Mann füllt Fragebogen am PC aus
Mitarbeitende stehen an einer Pinnwand

Warum es nicht „das eine“ richtige Instrument gibt

Zur Erfassung psychischer Belastungen existiert eine Vielzahl bewährter Verfahren, die sich hinsichtlich ihrer Tiefe, wissenschaftlichen Fundierung, Praxisnähe und Ressourcenanforderungen deutlich unterscheiden.

Die GDA-Leitlinie definiert außerdem sechs zentrale Merkmalsbereiche, die jedes geeignete Verfahren abdecken sollte:

  • Arbeitsinhalt / Aufgaben
  • Arbeitsorganisation
  • Arbeitszeit
  • Soziale Beziehungen
  • Arbeitsumgebung
  • Arbeitsmittel

Je umfangreicher der Fragebogen, desto höher die Differenzierung – gleichzeitig sinkt aber oft die Teilnahmequote. Unternehmen benötigen daher eine Lösung, die sowohl rechtssicher als auch praxistauglich ist.

Genau hier setzt das belastungsradar an.

Instrumente im Überblick

COPSOQ – Der wissenschaftliche Standard

  • Tiefgehende Analyse psychosozialer Arbeitsbedingungen
  • International validiert, GDA‑konform
  • Für mittlere & große Organisationen

KFZA – Schnelles Screening

  • Sehr kurze Befragungsdauer
  • Niedrigschwelliger Einstieg
  • Besonders geeignet für KMU

belastungsradar – Kompakt, digital, eigenständig

  • Sehr kurzer Online‑Fragebogen
  • Fokus auf praxisrelevante Stressoren
  • Eigenständig & rechtssicher durchführbar

FGBU – Umfassend & detailreich

  • Sehr differenzierte Erfassung
  • Emotional belastende Anforderungen enthalten
  • Für vertiefte Analysen

MAVA – Modular & ressourcenorientiert

  • Flexible Modulkombination
  • Fokus auf Ressourcen & Prävention
  • Gut integrierbar in BGM

PsyGesund – Branchenspezifisch & online

  • Zusatzmodule für Gesundheits‑ & Sozialwesen
  • Referenzwerte vorhanden
  • Online‑Auswertung

Detaillierte Beschreibung der Instrumente

COPSOQ
KFZA
Belastungsradar
FGBU
MAVA
PsyGesund

COPSOQ – Copenhagen Psychosocial Questionnaire

Der COPSOQ ist der international meistgenutzte und wissenschaftlich am besten validierte Fragebogen zur Erfassung psychosozialer Arbeitsbedingungen. Ideal für tiefgehende, wissenschaftlich fundierte Analysen psychosozialer Arbeitsbedingungen.

Was wird erfasst?

  • Arbeitsanforderungen (quantitativ, emotional, kognitiv)
  • Einfluss- und Entwicklungsmöglichkeiten
  • Soziale Beziehungen und Führung
  • Organisationale Aspekte
  • Gesundheit und Beanspruchungen

Geeignet für

  • Mittelgroße und große Betriebe
  • Organisationen mit vertieftem Analysebedarf
  • Konzernstrukturen

Aufwand

  • 15–20 Minuten Bearbeitungszeit
  • 85–87 Fragen (erweiterbar bis ca. 140)

Stärken

  • Sehr hohe wissenschaftliche Validität
  • Umfangreiche Referenzdaten
  • Internationale Vergleichbarkeit

Einschränkungen

  • Relativ langer Fragebogen
  • Fachliche Auswertung empfohlen
zwei erschöpfte Auszubildende

KFZA – Kurzfragebogen zur Arbeitsanalyse

Kurzbeschreibung
Der KFZA ist ein etabliertes Screening‑Instrument zur orientierenden Erfassung arbeitsbezogener psychischer Belastungen und Ressourcen. Gut geeignet als Einstieg oder Screening‑Instrument, insbesondere für KMU.

Was wird erfasst?

  • Handlungsspielraum
  • Arbeitsbelastung (qualitativ und quantitativ)
  • Arbeitsorganisation
  • Soziale Rückendeckung und Zusammenarbeit

Geeignet für

  • Alle Betriebsgrößen
  • Unternehmen mit wenig Ressourcen
  • Erste Einschätzung psychischer Belastungen

Aufwand

  • 5–10 Minuten
  • 26 Fragen

Stärken

  • Sehr kurze Befragung
  • Hohe Akzeptanz
  • Kostenlos verfügbar

Einschränkungen

  • Emotionale Belastungen nicht enthalten
  • Begrenzte Differenzierung

Belastungsradar – allgood.work

Ein kompaktes, GDA‑konformes Online-Instrument zur schnellen, praxistauglichen Erfassung psychischer Belastungen. Es basiert konzeptionell auf etablierten Instrumenten (u. a. COPSOQ, KFZA, FGBU, MAVA, PsyGesund) und fokussiert sich auf psychische Stressoren. Der ideale Einstieg in die Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung – praxisnah, rechtssicher und sofort einsetzbar.

Was wird erfasst?

  • Arbeitsanforderungen
  • Arbeitsorganisation und Arbeitszeit
  • Soziale Beziehungen und Führung
  • Arbeitsmittel und Arbeitsumgebung

Geeignet für

  • Alle Betriebsgrößen
  • Besonders kleine und mittlere Unternehmen
  • Organisationen ohne externe Fachberatung

Aufwand

  • 5 Minuten Bearbeitungszeit
  • 28 Fragen

Stärken

  • Vollständig GDA‑konform
  • Sehr hohe Teilnahmequote
  • Verständliches Online‑Dashboard
  • Klare Visualisierung von Handlungsfeldern
  • Optional erweiterbar (z.  Burnout, Existenzangst, Homeoffice)

Einschränkungen

  • Geringere Detailtiefe als sehr umfangreiche Verfahren
Ein überarbeiteter Mann sitzt vor einem Haufen Arbeit

FGBU – Fragebogen zur Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen

Der FGBU ist ein speziell für den Arbeitsschutz entwickelter, umfassender Fragebogen zur systematischen Erfassung psychischer Belastungen am Arbeitsplatz. Geeignet für detaillierte Analysen, insbesondere bei komplexen Belastungssituationen

Was wird erfasst?

  • Arbeitsinhalt und Handlungsspielraum
  • Informationsanforderungen
  • Verantwortung und Qualifikation
  • Unter‑ und Überforderung
  • Emotionale Belastungen und Emotionsarbeit
  • Arbeitszeit, Entgrenzung und Arbeitsintensität
  • Soziale Beziehungen (Kollegen und Führung)
  • Arbeitsumgebung

Geeignet für

  • Mittelgroße und größere Betriebe
  • Organisationen mit erhöhtem Belastungsniveau
  • Vertiefte Gefährdungsanalysen

Aufwand

  • 20–25 Minuten
  • 67 Fragen

Stärken

  • Sehr differenzierte Belastungserfassung
  • Emotionale Anforderungen explizit enthalten
  • Klare Ausrichtung auf Arbeitsschutz

Einschränkungen

  • Hoher Zeit‑ und Auswertungsaufwand
  • Fachliche Begleitung sinnvoll

MAVA – Modulare Mitarbeiterbefragung

MAVA ist ein modulares, ressourcenorientiertes Befragungsverfahren mit Fokus auf Arbeitsanforderungen, Gestaltungsspielräume und Prävention.

Was wird erfasst?

  • Quantitative und qualitative Arbeitsanforderungen
  • Handlungsspielraum und Autonomie
  • Lern‑ und Entwicklungsmöglichkeiten
  • Soziale Unterstützung
  • Rückmeldung und Anerkennung
  • Arbeitsorganisation

Geeignet für

  • Organisationen mit Fokus auf Prävention und BGM
  • Unternehmen mit gestalterischem Anspruch
  • Entwicklungs‑ und Veränderungsprozesse

Aufwand

  • 10–15 Minuten (je nach Modulwahl)
  • 40–60 Fragen

Stärken

  • Modular und flexibel anpassbar
  • Starker Fokus auf Ressourcen
  • Gut kombinierbar mit BGM‑Konzepten

Einschränkungen

  • Weniger verbreitet
  • Kaum branchenweite Vergleichswerte
  • Meist fachliche Begleitung erforderlich
BAd wird saniert von zwei HAndwerkern

PsyGesund – Online-Instrument der RWTH Aachen

PsyGesund ist ein wissenschaftlich geprüftes Online‑Instrument mit einem branchenübergreifenden Grundmodul und optionalen Zusatzmodulen für spezifische Tätigkeiten.

Was wird erfasst?

  • Arbeitsinhalt
  • Arbeitsorganisation
  • Soziale Beziehungen
  • Arbeitsumgebung
  • Branchenspezifische Zusatzthemen (z.  Aggression, Schichtarbeit)

Geeignet für

  • Betriebe ab ca. 10 Mitarbeitenden
  • Gesundheits‑ und Sozialwesen
  • Öffentlicher Dienst

Aufwand

  • 10–15 Minuten
  • 47 Fragen (Grundmodul) + Zusatzmodule

Stärken

  • Referenzwerte vorhanden
  • Online‑Durchführung mit strukturierter Auswertung
  • Zusatzmodule für spezifische Tätigkeiten

Einschränkungen

  • Grundmodul bereits relativ umfangreich
  • Lizenzpflichtig
  • Maßnahmenableitung häufig extern begleitet
Dosenfabrik mit Fließbandarbeitern

Welches Instrument passt zu welchem Bedarf?

Schneller Einstieg & geringe Ressourcen

 KFZA oder Belastungsradar

Vertiefte wissenschaftliche Analyse

COPSOQ oder FGBU

Fokus auf Ressourcen & Prävention

MAVA

Branchenspezifische Besonderheiten (Pflege, Sozialwesen)

PsyGesund oder Belastungsradar

Unsere Empfehlung für die Praxis

Kein Instrument ist grundsätzlich besser als alle anderen. Entscheidend ist, was ein Unternehmen wirklich benötigt.

Wenn Sie:

  • gesetzliche Anforderungen rechtssicher erfüllen möchten
  • eine hohe Teilnahmequote benötigen
  • ohne fachliche Begleitung starten wollen
  • klare, verständliche Ergebnisse für Führungskräfte brauchen

… dann bietet das belastungsradar einen besonders pragmatischen, praxisnahen Einstieg in die Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung.

Kriterium

COPSOQ

KFZA

Belastungsradar

FGBU

MAVA

PsyGesund

Bearbeitungszeit
15-20 min
5-10 min
~5 min
20-25 min
10-15 min
10-15 min
Analytische Tiefe
sehr hoch
niedrig
niedrig-mittel
hoch
mittel
mittel
GDA-konform
ja

teilweise

ja
ja
teilweise
ja
Norm-/Referenzwerte
umfangreich
begrenzt
Indexwerte
begrenzt
kaum
vorhanden
Selbstdurchführung
eingeschränkt
ja
ja
eingeschränkt
eingeschränkt
ja
Geeignet für KMU
eingeschränkt
gut
sehr gut
eingeschränkt
gut
gut
Geeignet für Konzerne
sehr gut
eingeschränkt
gut
gut
gut
gut
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